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against - together

HNA, 7.April 2014

Ob einst der Rock´n´Roll oder der Punk und aktuell der HipHop - die junge Generation suchte sich immer schon ihre eigenen Asdrucksformen, u sich von den Eltern abzugrenzen und ihre eigenen Werte auszuformen.

Dass auch diese Revolte mit vielen verwirrenden Gefühlen einhergeht, zeigt die wunderbar facettenreiche Performance „against - together“, die am Freitag unter der Regie von Petr Manteuffel von 110 Besuchern in der Kreuzkirche bejubelt wurde. Es ist eine Performace zwischen improvisierter Musik, Malerei und HipHop.

Die Gestalt, in der sich alles spiegelt - die Gesellschaft, der HipHop, die Gefühle zwischen Revolte und Selbstfindung - ist eine pantomimische Figur. Weiße Hose, weißes Hemd, weiß geschminktes Gesicht und einen weißen Koffer in der Hand, bewegt und tanzt sie sich durch eine Welt voller Gefühle.

Die von Damaso Mendez-Leroy, einem Kasseler Berakdancer der ersten Stunde, verkörperte Figur braucht keine Worte, um enorm ausdrucksvoll zu sein. Tanz, Gestik, besonders aber auch seine Mimik drücken seine Gefühle aus. Seine Freude, seine Suche, seine Verwirrung.

„Wer sind diese tanzenden Menschen, und was wollen sie?“, scheint er sich zu fragen, als die zehn jungen Tänzer des Studios „Dance United“ zu HipHop-Rhythmen und mit sehenswerter Dynamik und toller Choreografie (Ali Kilic) durch den Saal wirbeln, mal zwischen den Besucherreihen, mal im Altarraum, und Szenen plötzlich einfrieren.

Der treibende, basslastige Sound aus den Boxen steht im emotionalen Kontrast zu den feingliedrigen Improvisationen, die Manteuffel auf dem Saxophon, die Pianistin Ayako Ito auf dem Keyboard und Christoph Kott am Schlagzeug einstreuen. Während die Einen tanzen, werden fast gleichzeitig Papierbahnen auf dem Fußboden ausgerollt - nebeneinander, übereinander - und von dem Maler Björn Hübert mit langen Pinselstrichen verziert. Auch auf die Kleidung des Pantomimen in Weiß tupft er seine Farben.

Fazit: Eine faszinierende Bilderwelt, tolle Tanzleistungen, packende Symbolsprache. Viel Applaus.

 

Carmen im Blut

HNA, 30.März 2012

Ein Bravo dieser Inszenierung, die mit Spannung, Witz und ironischem Charme glänzte und mit drei großartigen Darstellern fesselte. Ein Sonderlob für das stumme, in der Körpersprache aber äußerst beredte Dienstmädchen Lauretta (Lara Gesell), die Sängerin Cristina Losada und für Milagros Fernandez, die mit ihren Flamenco-Künsten die glutvolle Atmosphäre einer spanischen Liebestragödie symbolisierte.

 

Edward Albee: Die Zoogeschichte

HNA, 30.04.2011

WIE TIERE IM GEHEGE

Jerry ... trifft im Central Park auf Kristin, die dort in Ruhe auf einer Bank ein Buch lesen möchte. Die arbeitslose Jerry verwickelt die leitende Verlagsangestellte in ein Gespräch, welches zunächst aus Höflichkeit und später aus Neugier fortgeführt wird. ...

Fesselnd und bedrückend nimmt die lebenszerstörende Katastrophe ihren Lauf, an deren Ende Kristin sich zu einem handfesten Kampf um "ihre Bank" hinreißen läßt.

Beklemmend, mitreißend und ausdrucksstark tragen Jutta Gründler und Müge Yavas den verbalen Kampf auf der Bühne aus. ... Beide werden von der gleichen brutalen, unflätigen und gemeinen Aggressivität geleitet. Die Isolation der menschlichen Existenz, der Mangel an Kommunikation, die Einsamkeit und die Ausgesetztheit gegenüber der anderen läßt die beiden Frauen wie Tiere im Zoo erscheinen und zeigt die Aktualität des 1958 geschriebenen Stückes auf. Sehr gelungen.

 

 

Das StadTheater spielte „Irrungen Wirrungen“ von Theodor Fontane

Ein kurzes Spiel über die Liebe

HNA, 06.03.2011

Es ist dieses Ahnen in den Augen, das plötzliche Innehalten und Verweilen, das mutige Vorausschauen von Lene, welches den Handlungsfluss sensibel vorwärts treibt, dem zwangsläufigen Ende entgegen. Ein kurzes Stück über die Liebe, ihre „Irrungen Wirrungen“, wurde so zu einem Kammerspiel nach dem Roman von Theodor Fontane. Im Dock 4 hatte es jetzt Premiere.

Liebevoll-stille Inszenierung: Näherin Lene Nimptsch (Kerstin<br />
Gasch) und Kürassieroffizier Baron Botho von Rienäcker (Stefan Marx) in<br />
„Irrungen Wirrungen“ vom StadTheater. Foto: Malmus

Liebevoll-stille Inszenierung: Näherin Lene Nimptsch (Kerstin Gasch) und Kürassieroffizier Baron Botho von Rienäcker (Stefan Marx) in „Irrungen Wirrungen“ vom StadTheater. Foto: Malmus

Regisseur Peter Manteuffel vom StadTheater stattete die Bühne mit nur wenigen Requisiten aus, ließ mal ländliches Ambiente, mal das pommersche Gut der von Rienäckers entstehen. Mit kurzen Szenen, durch Musikpassagen und dem Sound vom fließenden Wasser verbundenen Bildern, entwickelt er so die unstandesgemäße Liebesgeschichte zwischen der jungen Lene Nimptsch und dem Baron von Rienäcker.

Kerstin Gasch und Stefan Marx verleihen den beiden Fontane-Figuren inneren Halt, geben Seelenlandschaften mit feinem Zugriff ein Profil. Inseln des Glücks sind das, wenn er seinen Kopf auf ihren Schoß legt, träumend, schwärmend, wenn beide auf dem See rudern. „Du liebst mich, und du bist schwach“, sagt sie zu ihm, und später tanzt Lene mit wirrem Haar entfesselt gegen ihr Ahnen an. Die Schauspieler schlüpfen in unterschiedliche Rollen, deuten das Gefüge einer Gesellschaft im Berlin von 1875 an. Hintergründe werden so ausgemalt, die von Regisseur Manteuffel mit komödiantischen Untertönen versehen werden. Am Ende steht die standesgemäße Heirat des Barons mit Käthe von Sellenthin.

Die Liebe geht oft falsche Wege. Wie hier Milieu und Erziehung das Leben beeinflussen, erschließt „Irrungen Wirrungen“ dann doch ein wenig für die Jetzt-Zeit. Viel Applaus für die jungen Schauspieler und eine liebevoll-stille Inszenierung.

Von Juliane Sattler

 

Hessische Allgemeine (HNA) vom 03.04.2006

Von Friederike Brion bis zu Ulrike von Lewetzow, von "Willkommen und Abschied" bis zur "Marienbader Elegie" ‑ Frauen haben Johann Wolfgang von Goethe in allen Epochen seines Lebens zur Lyrikproduktion inspiriert. Eine von ihnen war mehr als nur Muse. Sie nahm selbst die Feder in die Hand und wagte sich mit dieser grazilen Waffe auf des Dichters ureigenstes Gebiet. Die Rede ist von Marianne von Willemer, der zweiten Frau eines alten Bekannten, die Goethe im August 1814 in Frankfurt kennen lernt.

...Aus Marianne wird Suleika, aus Johann Wolfgang Hatem. Die Gefühle der beiden binden sich allmählich zum Buch, das die Zeiten überdauern wird.

Peter Manteuffel, Leiter des stadTheaters Kassel, hat diesen Prozess zurückverfolgt, hat aus den Gedichten des "Divan" und dem Briefwechsel, der die Entstehungszeit begleitet, das emotionale Fundament der Beziehung rekonstruiert. Entstanden ist, im inszenatorischen Dialog mit zwei überzeugenden Protagonisten, eine dichte, bei aller Spekulation überaus plausible szenische Bestandsaufnahme einer amour fou im klassischen Gewand, die bei ihrer Premiere im Dock 4 heftig applaudiert wurde.

Jutta Gründler erspielt als Marianne anrührend die seelischen Abgründe unter der anmutig gereimten Fassade. Jürgen Meier, er sieht Goethe verblüffend ähnlich, führt den Olympier souverän über den schmalen Grat zwischen eitler Selbstbespiegelung und der Urangst vor tieferer Bindung, die ihn, möchte man dieser Ausdeutung Glauben schenken, wohl ein Leben lang begleitet hat.

Ein atmosphärisch dichter Abend, dem Rudolf Ducke mit der Einspielung von Franz Schuberts Suleika‑Liedern (Jutta Gründler singt sie mit dezent verhaltener Emotionalität) einen liebenswerten musikalischen Akzent verleiht.

 

Hessische Allgemeine (HNA) vom 02.03.2001

Da wird Yvonne (Jutta Gründler) von ihrem Mann Lucien (Adrien Megner) nachts um vier aus dem Bett geklingelt, um sich wenig später mit ihm im Beisein ihres Dienstmädchens (Katja Grömm) über ihren vermeintlichen Hängebusen in die Haare zu kriegen.

Doch schon in wenigen Szenen bewegt sich dieser vorgeblich oberflächliche Streit zu einer Grundsatzdebatte über gegenseitige Frustrationen. Dass ein Bote (Nadine Strümpfler) zu allem Überfluss die Nachricht des sich später als Missverständnis herausstellenden Todes von Yvonnes Mutter überbringt, macht die Verknüpfung von Drama, Slapstick, Farce, und Comic nur umso deutlicher. In der Schwingung zwischen absurdem Theater, possierlicher, Komödie, ätzendem Nonsens, Klamotte, Heiterkeit und Wahnwitz liegt denn auch die Essenz der Stücke Feydeaus ...

 

 

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